Händelfestspiele vs. Hurricane

Die Händel-Festspiele in einer Reihe mit Hurricane, Rock am Ring oder Open Flair – unvorstellbar? Nein. Wir wagen den (nicht ganz ernst gemeinten) Festivalvergleich.

Die Location:

Händel-Festspiele: Im schönen Göttingen sowie in der Region sind die Händel-Veranstaltungen in Theatern wie dem Deutschen Theater (Foto: Hinzmann), Uni-Gebäuden, Kirchen, einem Pub und vielen weiteren Orten angesiedelt.

Hurricane: Erst durch das Hurricane ist die rund 13.000-Seelen-Gemeinde Scheeßel bekannt geworden. Auf einer Motorrad-Sandrennbahn wird das Festival auf mehreren Bühnen abgehalten. Foto: Carstensens

Fazit: Ackercharme vs. Cityflair – kann beides gefallen. Doch die Händel-Festspiele sind vielseitiger aufgestellt.

Die Unterkunft:

Händel-Festspiele: Auf der Website der Händel-Festspiele werden Tipps für Hotels wie das Eden Hotel (Foto) gegeben – zelten wird hier wohl keiner.

Hurricane: Zelten gehört hier dazu wie lauwarmes Bier und versiffte Dixi-Klos. Und trotzdem scheint auch der Bedarf nach etwas mehr Komfort zu steigen: In verschiedenen „Ressorts“ wird den Festivalbesuchern beispielsweise angeboten, ein bereits aufgebautes Zelt in abgegrenzten Arealen zu mieten. Extras wie Wlan, Strom und richtige Toiletten und Duschen können hinzugebucht werden. Foto: dpa

Fazit: Geschmackssache! Für viele gehört Zelten zum Festivalflair dazu – und verbindet. Ausgeschlafener werden aber mit Sicherheit die Händel-Besucher sein.

Das Line-up:

Händel-Festspiele: Barockmusik von Händel, das ist das Credo der Händel-Festspiele. In diesem Bereich sind die Festspiele gut aufgestellt: Unter der künstlerischen Leitung von Laurence Cummings treten unter anderem Sopranistin Dominique Labelle (Foto), Blockflötistin Dorothee Oberlinger, der NDR Chor, Andreas Steier, Avi Avital, Pierre Jarawan und viele weitere Künstler auf.

Hurricane: Rock, Pop oder Elektro – das Hurricane ist gut aufgestellt, zu den Headlinern gehören unter anderem Green Day (Foto), Linkin Park, Casper, Blink-182 und viele weitere Musiker und Bands, die international bekannt sind.

Fazit: Beide Festivals sind in ihrem Bereich groß. Die Händel-Festspiele mit ihrer Konzentration nicht nur auf klassische Barockmusik, sondern insbesondere auf Händel-Werke sind aber spezialisierter als das Hurricane – was sich auch in den Besucherzahlen wiederspiegelt: Um die 20.000 Besucher werden bei den Händel-Festspielen erwartet, beim Hurricane waren es 2016 mehr als 70.000.

Die Outfits:

Händel-Festspiele: Ob im Frack oder Abendkleid oder lieber in T-Shirt, Jeans und Turnschuhen: Einen vorgegebenen Dresscode gibt’s bei den Händel-Festspielen nicht. Und doch ist der vorwiegende Stil in der Oper und anderen Konzerten eher elegant. „Respekt vor dem Nachbarn und den Künstlern auf der Bühne“, nennt Tobias Wolff, Intendant der Händelfestspiele, ein Leitmotiv für die Kleidungswahl.

Hurricane: Bunt, verrückt, freizügig – beim Hurricane ist nicht nur alles erlaubt, sondern wird auch alles gelebt. Was in der Händel-Oper dann aus „Respekt vor den Künstlern“ doch ein No-Go wäre, steht hier auf der Tagesordnung. Foto: dpa

Fazit: Der Spießerpunkt geht hier an die Händel-Festspiele. Auch wenn offiziell keine Vorgaben gemacht werden, wäre es wohl unvorstellbar – und einen handfesten Skandal auslösend –, im rosa Bunnykostüm oder halbnackt in der Oper aufzutauchen.

Das Publikum:

Händel-Festspiele: Das Vorurteil, das Händel-Festspiel-Publikum sei alt, gibt es seit jeher. Und wer einen Blick in die Oper wirft, sieht es bestätigt. Mit einem Programm für Kinder sowie kostenlosem Eintritt unter anderem für Studenten probiert die Händelgesellschaft dem aber entgegenzuwirken.

Hurricane: Der Großteil des Hurricane-Publikums ist jung. Was sicherlich auch daran liegt, dass sich mehrere Tage Zelten, Dixie-Klos und Konzerte um 3 Uhr nachts mit Mitte Zwanzig noch gut aushalten lassen – umso älter man wird, umso größer die Herausforderung.

Fazit: Ob Jung oder Alt, Hauptsache die Besucher haben Spaß.

Preis-Leistungs-Verhältnis:

Händel-Festspiele: Über 100 Veranstaltungen werden angeboten, für alle sind einzeln Tickets zu erwerben – die, wenn man nicht für Ermäßigungen (beispielsweise als Schüler oder Student) in Frage kommt, recht kostspielig sind. Ein Besuch der Opernpremiere kostet beispielsweise mindestens 55 Euro. Ein „Flatrate“-Ticket für mehrere Veranstaltungen gibt es nicht.

Hurricane: Ein Kombiticket für das Festival kostet zurzeit 199 Euro – damit können alle Konzerte besucht werden.

Fazit: Es gibt günstigere Musikfestival als das Hurricane – und doch gewinnt es in diesem Punkt gegen die Händelfestspiele. Ausnahme: Als Student der Uni Göttingen kann man die Händel-Festspiele mit dem Kulturticket umsonst erleben.