Ein fixer Termin im Festspiel-Chaos

Punkt 8 Uhr. Das Besprechungszimmer im Büro der Händel-Festspiele ist noch leer. Ein paar Minuten später trudeln dann doch alle ein, Zettel werden verteilt, es geht los. „War jemand gestern bei der Oper?“, fragt Tobias Wolff, Intendant der Händel-Festspiele, die fünf anwesenden Mitarbeiter. Alle verneinen. Er selbst sei nur in der Pause da gewesen, habe aber nur Positives von den Besuchern gehört. Ebenso von dem Konzert von Franziska Gottwald, der zweiten großen Veranstaltung des gestrigen Tages.

Damit ist die Besprechung des Vortages beendet, der aktuelle Tag muss geplant werden. „Wir treffen uns jeden morgen um 8 Uhr zur Besprechung“, erzählt Wolff. Allerdings nur zur Festspielzeit. Außerhalb dieser knapp drei Wochen sei das einfach zu früh, sagt Wolff lachend – die anderen Mitarbeiter stimmen mit ein.

In dem idyllisch gelegenen Büro am Hainholzweg – direkt dahinter fängt der Cheltenhampark an – werden das ganze Jahr über die Händel-Festspiele organisiert, Künstler kontaktiert, Veranstaltungen auf die Beine gestellt, die Presse zufriedengestellt und vieles mehr. Während der Festspiele selbst herrscht dann Ausnahmezustand: „Wir treffen uns um 8, weil danach alle unterwegs sind“, erzählt Wolff. Dann würden nur noch Termine und Pläne abgearbeitet. Die ersten zwei Stunden des Morgens könnten noch zur Organisation genutzt werden.

Hinter diesen Türen liegt das Festspielbüro.

Dafür hat Maren Lippke-Spöcker, Leiterin der Abteilung Kommunikation, verschiedene Pläne ausgedruckt: Ablaufpläne für die einzelnen Veranstaltungen – an diesem Tag stehen unter anderem das Public Viewing zur Oper “Lotario” in der Lokhalle und eine Kombination aus Lesung, Musik und Wein in Bremer’s Weinkellerei an –, und einen Plan, wo und wann welcher Mitarbeiter oder welche Hilfskräfte eingesetzt werden.

„Die Moderatorin ist angereist, und die Interviews sind verteilt“, sagt Wolff zum Public Viewing. So kämen die “Lotario”-Opernsänger, die während des Public Viewings in der Aufnahme zu sehen sind, in der Pause zu Interviews in die Lokhalle – „aber manche nur kurz, die wollen sich selbst nicht in der Aufnahme sehen“, erklärt er. Es würde manche Sänger verunsichern, wenn sie sich während der laufenden Produktion – noch stehen mehrere „Lotario“-Aufführungen an – selbst in ihrer Rolle sehen würden.

Bei der Veranstaltung in Bremer’s Weinkellerei gibt es eine andere Schwierigkeit – ein Luxusproblem: „Die Veranstaltung ist ausverkauft, wir müssen die Hilfskraft für die Abendkasse ausladen“, sagt Wolff. Alexey Gulyaev, der für das Künstlerische Betriebsbüro der Festspiele in der Besprechung sitzt, erklärt sich bereit, das zu übernehmen.

Zum Schluss werden kurz die Presseakkreditierungen für den Tag durchgegangen. „Heute sind es vor allem lokale Medien“, sagt Lippke-Spöcker, alles sei geregelt. Es ist 8.25 Uhr, die Besprechung beendet, und alle verteilen sich in ihre Büros oder gehen bereits zu Terminen. Das Festspiel-Chaos kann weitergehen.