Charlesworth’ größte Schwächen: Horrorfilme und Schokoladeneis

Er zieht seine bunten Turnschuhe aus, die schwarzen Socken müssen ebenfalls weichen. Denn für seinen Plausch mit Händelfestspiel-Intendant Tobias Wolff muss der Sänger Rupert Charlesworth knallgrüne Socken anziehen, Wolff hat sie ihm mitgebracht. Selbst trägt er welche, die leuchtend-orangefarben sind.

Und an diesem Tag ist das Bett, in dem die beiden für die Händelfestspiel-Reihe „Im Bett mit…“ Platz nehmen, ein Open-Air-Bett. Und steht nicht wie sonst im Schaufenster des Geschäftes Betten Heller, sondern draußen vor dem Eingang. Auf den Bierbänken davor sitzen bereits ein paar Neugierige. „Weil die Technik gerade nicht funktioniert, haben wir die Reihe ‘Im Bett mit…’ spontan nach draußen verlegt“, erklärt Wolff. Kein Problem für die Zuschauer. So ist es gleich noch persönlicher.

Aber wer ist eigentlich der Typ, mit dem Wolff da im Bett sitzt, dessen grüne Socken sich irgendwie ein bisschen mit der bordeauxfarbenen Hose beißen? Mit seinem Tattoo auf dem Unterarm und dem Man-Bun, der Hipster-Frisur schlechthin, sieht er eher aus wie ein Rocksänger. Doch der Brite mit den rötlich-braunen Haaren und den blauen Augen macht klassische Musik, er ist ein Tenor. Und singt in der Brockes-Passion der Händel-Festspiele gleich zwei Rollen: den Petrus und die gläubige Seele.

Keine gläubige, sondern eine verrückte Seele ist Charlesworth selbst, wenn man seinen Aussagen glaubt. Denn auf die Frage einer Zuschauerin, was er beruflich geworden wäre, wenn er nicht so gut singen könnte, antwortet er direkt: „Psychiater“. Und ergänzt lachend: „Verrückte Menschen werden immer Psychiater oder Künstler.“ Weil sie die Verrücktheit der Welt verstehen wollten.

Von der Verrücktheit kommt Wolff auf Horror

-Filme: „Magst du Horrofilme?“, fragt er den jungen Sänger. „I do!“, sagt der direkt begeistert auf Englisch. Weil er zwei ältere Brüder habe, habe er viel zu früh mit Horrofilmen angefangen.

Eine weitere Vorliebe offenbart er, als sich eine Frau mit ihrem Eis-essenden Kind zu der Runde der Zuschauer gesellt. „Eis ist meine Schwäche“, sagt er, dabei liebe er alles mit Schokolade. Sowieso geht es in dem Gespräch viel um Essen. Ob er morgens gern frühstückt, fragt Wolff. Charlesworth bejaht: „Rührei, Lachs, Toast mit Avocado, Waffeln…“, eigentlich alles. Und als der Brite seine nächsten Auftrittsorte aufzählt – unter anderem Tel Aviv, Philadelphia und Wien – sagt Wolff gleich „Das klingt nach Humus, Burger, Sachertorte… wie funktioniert das mit dem essen auf Tour?“ Man müsse schon diszipliniert sein, sagt Charlesworth, vielleicht nur sonntags all diese leckeren Dinge essen.

Und was ist – abgesehen von dem Verzicht auf Sachertorte und Co. – das Schwierigste auf Tour? „Es kann sehr einsam sein“, antwortet Charlesworth, der sonst sehr positiv wirkt und viel lacht, ehrlich. Bei Wolffs Nachfrage, was Strategien dagegen seien, hat er seinen Humor aber schon wieder zurück: „Netflix“. Nachdem er von Wolff und dem Publikum so viel ausgefragt wurde, hat aber auch Charlesworth eine Frage frei: „Ich habe morgen einen freien Abend, wo kann ich essen gehen?“. Schon prasseln Ideen auf ihn ein, von Apex über Amavi bis zu Gaudí. Die beste Idee hat aber eine Zuschauerin: Sie bringt den beiden Männern mit den bunten Socken ein Eis.

Wer Tenor Rupert Charlesworth live erleben möchte, sollte am Donnerstag, 25. Mai, um 18 Uhr zur Brockes-Passion in die Stadthalle gehen.