Backstage bei „Lotario“

Eine Stunde vor der Aufführung: Hinter den Türen, die von dem schmalen Gang abgehen, kommt Gesang hervor, hier ein klarer Sopran, da ein edler Tenor. Eine der Türen steht offen, es ist die Garderobe von Jud Perry, der in der Festspieloper „Lotario“ den Idelberto spielt. Bei ihm ist Alexander Fend, Regieassistent, Choreograph und Abendspielleitung in dieser Produktion.

Obwohl die sechs Opernsänger in knapp 50 Minuten auf der Bühne des Deutschen Theaters stehen müssen, wirken sie entspannt – Perry und Fend gehen im Gespräch bereits die Familienfassung am Sonnabend durch. „Muss ich das auswendig lernen?“, fragt Perry, als es um eine verkürzte Szene geht. Währenddessen läuft Ursula Hesse von den Steinen über den Flur, sucht etwas. Sie lacht, fröhlich, noch nicht gehässig, wie sie es später als böse Matilde auf der Bühne tut. „Du könntest einmal ein bisschen bewusster in den Spiegel schauen“, spricht Fend mit ihr über eine Szene. Später auf der Bühne ist der Blick in den Siegel klar erkennbar, Fend dürfte zufrieden sein.

Als Abendspielleitung sei er dafür zuständig, dass der Abend richtig ablaufe – wie es der Name schon sagt. „Es gibt natürlich immer Spielraum auf der Bühne“, erzählt er, ein bisschen werde auch immer improvisiert. Er ist nun durch mit den Opernsängern, läuft hinter der Bühne entlang, zählt Plastik-Blumen, die dort als Requisiten liegen, durch. „Es gibt natürlich für alles Zuständige“, erklärt er. Er werfe nur nochmal einen Blick darauf. Während der Vorstellung stehe er hinter dem Inspizientenpult, an dem Tilla Foljanty steht, die Inspizientin und damit Hauptkoordinatorin dieser Produktion.

Dort hängen zwei Bildschirme: Einer zeigt die Bühne, einer den Orchestergraben und den Platz, an dem der Dirigent steht. Fend beobachtet vor allem ersteren, guckt ob alles gut läuft. „Eine richtige Kritik gibt es während der Vorführungen nicht mehr“, sagt er, dann werde nicht mehr viel geändert, „nur wenn was richtig schief läuft“. Aber das sei bisher nicht der Fall gewesen.

Beide Bildschirme im Auge behalten, muss Inspizientin Foljanty. „Ab 30 Minuten vor Beginn habe ich das Kommando“, sagt sie. Und genau eine halbe Stunde vor dem Start der Aufführung macht sie auch eine Durchsage für alle Mitarbeiter, damit alle darauf eingestellt sind. „Ich gucke, ob auf der Bühne alles eingerichtet ist“, erklärt sie eine ihrer Aufgaben. Sie läuft über die Bühne, ruckelt an der kleinen Treppe, die auf das Podest führt, um zu testen, ob sie wirklich fest steht, guckt ob die kleinen Klebestreifen-Markierungen auf der Bühne noch am richtigen Ort sind. In einer Szene werde eine Wand auf Rollen vorgeschoben, erklärt sie, dafür seien beispielsweise Markierungen am Boden angebracht.

Und auch hinter der Bühne gibt es eine Markierung: „Tilla Zone“ ist da mit Klebeband aufgeklebt. „Das wurde für mich abgeklebt, damit ich erkenne, bis wo mich das Publikum nicht sehen kann“, erklärt sie lachend. Denn betritt sie einen falschen Winkel, kann das Publikum sie durch eine Lücke auf der Bühne sehen.

Jetzt dauert es nicht mehr lang, die Vorhänge werden zugezogen. Bevor die ersten Zuschauer hereindürfen, checkt Foljanty nochmal, ob auch im Zuschauerraum alles in Ordnung ist. Dann geht sie zurück an ihr Pult, wo sie ein Notenbuch vorliegen hat, in dem penibel markiert ist, wann sie welche Zeichen gibt und welche Aufgaben sie hat. „So wie die Sänger ihren Part lernen, lerne ich meinen“, sagt sie. Und dann sind es nur noch fünf Minuten bis zum Beginn, es wird ernst in der „Tilla Zone“.